Über dieses Projekt

Generalsanierung // Mineralbad Berg Stuttgart // 2017 bis 2020

Bau-Krimi ohne Täter oder wie man als Baufirma an Herausforderungen wächst.

Manche Großprojekte im Bauwesen sind spannend wie Krimis. Nur gibt es oft keinen Täter, wenn unvorhersehbare Umstände oder Kostendruck praktisch aus dem Nichts auftreten. Der Auftrag für die Generalsanierung des Mineralbades Berg in Stuttgart Bad Cannstatt wurde zu so einem Krimi, der die Mannschaft von Brodbeck vor vielfältige und immer wieder neue Herausforderungen stellte – und das bei einem Projekt, auf das die Region blickt.

Der Fall Mineralbad Berg

Unweit des Neckars und der Wilhelma befindet sich das Mineralbad Berg. Diese Stuttgarter Ikone wurde bereits vor mehr als 150 Jahren, am 29. Juni 1856 eröffnet. Damit ist „das Berg“ dass bis heute älteste in Stuttgart existierende Schwimmbad. Aus den insgesamt fünf Quellen im Bereich des Mineralbades Berg fließen tauglich 5 Millionen Liter natürliches Mineralwasser mit einer Wassertemperatur von 22° bis 34° Celsius in die verschiedenen Schwimmbecken, die zusammen eine Wasserfläche von 1.380 m² aufweisen.

Das hoch defizitäre Bad sollte erneuert werden und damit auch zukünftig für jüngere Badegäste wieder attraktiv werden. Die Planungsaufgabe wurde in die Hände der im Bäderbereich renommierten Architekten 4a aus Stuttgart gelegt. Die typischen Formen des bei den Bürgern so geliebten Stuttgarter Bades sollten im Kern erhalten bleiben. Man hat sich schließlich für eine aufwändige Generalsanierung mit voraussichtlichen Gesamtkosten von 30 Millionen Euro entschlossen.

Ein echter „Berg“ Krimi

Das Bad wurde im September 2016 für den Betrieb geschlossen. Geplant war eine Bauzeit von rund 27 Monaten und somit eine Wiedereröffnung Ende des Jahres 2018. Brodbeck erhält den Auftrag am 01. August 2016.

Am 26.September2016 startete Brodbeck mit der Baustelleneinrichtung, den Entkernungsarbeiten im Gebäude sowie der Kanalisierung des Reitzensteinkanals, in dem eine neu zu verlegende Mineralwasserleitung aufgeständert wurde. Doch wo war die Baugenehmigung?

Baugenehmigung ausstehend

Das Projekt Stuttgart 21, bei dem die Bahn die Verantwortung für den ungestörten Erhalt der Cannstatter Mineralquellen übernommen hatte sorgte für Verzögerungen. Ein sorgfältiger und langwieriger Anhörungsprozess, bei dem die Bahn eine Zustimmung zum Bau einer mit einer geschlossenen Spundwand versehenen Baugrube für das sogenannte Entkopplungsbauwerk zu erteilen hatte, war noch nicht abgeschlossen. Der Bau dieses Entkopplungsbauwerkes war aber eine unabdingbare Voraussetzung für den Abbruch und den Neubau des Außenbeckens. Denn in dem Werk werden die permanent sprudelnden Quellen gefasst, getrennt und sortiert. Die Heilwasserquellen durften auch während der Bauphase keinen Schaden nehmen. Um die Druckhöhe der Quellen dauerhaft zu gewährleisten, musste das Entkopplungsbauwerk als Erstes eingerichtet werden. Aber auch an anderer Stelle warteten Herausforderungen, in Form von Telekom-Leitungen.

Ende Februar 2017 konnte Brodbeck schließlich nach Erhalt der Baugenehmigung mit dem Entkopplungsbauwerk beginnen. Spundwände wurden eingerammt und der vorhandene Trog wurde mit Stahlträgern in sich ausgesteift. Eine Rückverhängung mit Ankern war genauso wenig zulässig wie das Absenken des Grundwassers.

Tauchen auf der Baustelle

Um die Bodenplatte für das Entkopplungsbauwerk herstellen zu können, mussten die Mannschaften mit Unterwasserbeton und dem Einsatz von drei Tauchern arbeiten. Es war Aufgabe der Taucher, die Ebenheit der Aushubsohle und das Einbringen der vorgefertigten Bewehrung in der richtigen Höhenlage sicherzustellen. Auch die Betonier Arbeiten an der Sohlplatte wurden durch die Taucher durchgeführt. Nach Aushärtung des Unterwasserbetons konnte man das Wasser auspumpen und auf der dichten Sohlplatte das Entkopplungsbecken, vergleichbar mit einem Regenüberlaufbecken, herstellen. Eine insgesamt spannende und nicht alltägliche Aufgabe. Zwischenzeitlich waren die Mannschaften auch in anderen Teilen der weitläufigen Badeanlage tätig. Umfangreiche Abbrucharbeiten, Sanierungsarbeiten im Bestand, Betonsanierungsaufgaben sowie Bauteile, welche als Rohbau neu errichtet wurden standen auf dem Programm.

Probleme in der Substanz: Lösungen im Projekt

Aufgrund der maroden Altbausubstanz und einem teilweise nur bedingt tragfähigen Baugrund entstanden neue Herausforderungen. Ursache war sicher auch der Umstand, dass das Mineralbad Berg kurz vor dem Beginn der Arbeiten im Herbst 2016 noch in Betrieb war und die ausschreibenden Planer somit nicht im Vorfeld die Bausubstanz ausreichend untersuchen konnten.

Die anstehenden Substanzprobleme mussten zwangsläufig projektbegleitend gelöst werden. Die Bauleitung von Brodbeck hat hier wie so oft praxisorientierte, wirtschaftliche Vorschläge für den Bauherrn und seine Planer geliefert, obwohl dies nicht in den Aufgabenbereich von Brodbeck fiel. Es hat sich jedoch gezeigt, dass man eine herausfordernde Baustelle mit partnerschaftlichen Ansätzen deutlich besser voranbringen kann. Trotz eines schwierigen Bauablaufes ist es Brodbeck gelungen alle Probleme einvernehmlich mit dem Auftraggeber zu klären.

Rettung für eine Quelle

Mit Beginn des Jahres 2018 schienen alle Hindernisse beseitigt, doch erwies sich nun die Tragschicht unter der Bodenplatte des Schwimmbeckens als nicht tragfähig. Die Ursachenforschung ergab, dass die sogenannte Mittelquelle, welche sich direkt unterhalb des Außenbeckens befindet, in einer Tiefe von 35 m unter OK Gelände im Bereich der Quellfassung undicht ist. Da hier das Wasser unkontrolliert austrat, mussten die Arbeiten an dieser Stelle erneut unterbrochen werden. Die Gefahr dabei: Ein Verlust der Mineralquelle. Der Bauherr und seine Fachplaner arbeiten nun an einer Sanierungslösung für die Quelle. Das neue Mineralbad Berg kann auf Grund dieser Umstände also nicht vor Mitte 2020 eröffnen wird.

Erfolg: Fortsetzung folgt!

Alle machbaren Leistungen wurden und werden von Brodbeck vollbracht. Derzeit laufen bereits Gespräche über die Fertigstellung des Außenschwimmbeckens im Jahr 2019.
Eine derart komplexe und anspruchsvolle Generalsanierung erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Fachwissen in der Ausführung und sorgfältiges Arbeiten während der Kalkulation und Arbeitsvorbereitung. Die Risiken eines solchen Projektes sind wie man hier gut sieht nicht zu unterschätzen. Brodbeck hat hier jedoch erneut mit nahezu allen Teilen des Unternehmens unter Beweis gestellt, dass solche Aufgaben erfolgreich und zur vollsten Zufriedenheit des Kunden abwickelt werden können.

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Projekt-Story